Dreiköpfiger Drache: Das russische Monster-Flugzeug WWA-14

WWA-14 – Ein heute vor sich hin rostendes Flugobjekt

In einem kleinen Ort etwa 50 Kilometer von Moskau entfernt steht auf einem weitläufigen Gelände ein ausrangiertes und langsam vor sich hin rostendes, seltsames Flugobjekt. Ein gigantisches Fluggerät, das früher sowohl horizontal als auch vertikal starten konnte, was einmalig auf der Welt war. Der Name dreiköpfiger Drache, wie die Bartini Beriev WWA-14 auch genannt wird geht auf die markante Form zurück. Zwei Prototypen dieses außergewöhnlichen Flugzeuges wurden jemals hergestellt, einer existiert noch bis heute.

Ein Flugzeug, das die Eigenschaften einer Amphibie besitzt, war die Idee hinter der Bartini Beriev WWA-14. Die vom Hauptkonstrukteur Robert Bartini entwickelte Maschine der Firma Beriev war so konzipiert, dass sie sowohl an Land als auch Wasser eingesetzt werden konnte. Die Zahl 14 im Namen steht für die Anzahl der Triebwerke, die Abkürzung WWA steht für „вертикально-взлётная амфибия“ es handelt sich bei dem ungewöhnlichen Objekt demnach um ein „vertikal startendes Amphibienflugzeug“. Wie funktioniert das überhaupt?

Die Bartini Beriev WWA-14 wurde in den 1960er Jahren entwickelt und galt einst als die Hoffnung der Sowjetunion gegen feindliche U-Boot-Angriffe. Robert Bartini, der laut übereinstimmender Presseberichte von einigen Zeitgenossen sogar wegen seiner visionären Ansichten als Nerd gefeiert wurde, hatte sie so konzipiert, dass sie mit den zahlreichen Triebwerken dauerhaft knapp über der Wasseroberfläche fliegen konnte – so wollte man feindliche U-Boote aufspüren.

Foto Von User Jno – Open Museum CC BY 2.5

Wie wurde die WWA-14 zum besagten dreiköpfigen Drachen?

Eine wichtige Besonderheit in den Eigenschaften des Fluggerätes war das die WWA-14 im Wasser senkrecht starten sollte, fast so wie beim Start einer Rakete. Erst im Flug sollte das Flugzeug um 90 Grad in die Horizontale kippen und normal weiter fliegen. Die besondere Konstruktion des Flugzeugs verlieh ihm ein außergewöhnliches Aussehen, das wiederum zu einem ebenso außergewöhnlichen Spitznamen führte, dem eingangs erwähnten „dreiköpfigen Drachen“. Der Name geht auf die in Russland bekannte Märchenfigur “Zmei Gorynich” zurück, ein Drache der drei bis zwölf Köpfe hatte.

Doch bedauerlicherweise gelang der WWA-14 nie der große Durchbruch und damit ein Einsatz über die absolvierten Testflügen hinaus. Bereits der erste Prototyp des revolutionären Flugzeugs, der 1972 abhob, hatte keine passenden Triebwerke für den angestrebten Senkrecht-Start. Auch im zweiten Prototyp wurden sie nie verbaut. Der Grund war, wie so oft in der ehemaligen UdSSR das es Aufgrund der angespannten Versorgungslage im Zusammenhang mit der Planwirtschaft, es keinen passenden Motorentypen gab. So wurde bereits nach dem zweiten Prototypen, nicht mehr weiter entwickelt und geforscht, sondern das Projekt wurde gänzlich eingestellt.

Mit dem grandiosen Erfinder starb auch das Projekt

Bartini jedoch wollte das nicht so ohne weiteres hinnehmen. Er arbeitete zeitlebens an einem weiteren, spektakulären Flugzeugtypen. Der Arbeitsname war Ekranoplan, der später als „Kaspisches Seemonster“ in die Geschichte einging. Bartini selbst erlebte den Jungfernflug nicht mehr. Die aus seinen Konzepten resultierenden Tests wurden erst nach seinem Tod 1974 durchgeführt. Das Kaspisches Seemonster war ein sowjetischer Ekranoplan, ein Gefährt, das knapp über der Wasseroberfläche flog. Mit einer max. Abflugmasse von ca. 550 t war es eines der schwersten Fluggeräte überhaupt.

Mit Bartinis Tod starb auch endgültig das Projekt WWA-14, der zweite Prototyp des Flugobjekts wurde sogar demontiert. Doch der erste existiert noch immer – wenn auch sehr zerstört. Ende der 1980er Jahre wurde er von Metalldieben geplündert und die dabei entstandenen Schäden bis heute nicht repariert. So fehlen etwa große Teile der Tragflächen, diese sind ein Bestandteil der Flugfähigkeit. Allerdings würde ein Wiederaufbau laut Schätzungen circa 1,2 Millionen Dollar kosten und ein bis zwei Jahre dauern.

Copyright: Foto_Fred Schaerli

Heute befinden sich die Überbleibsel des „dreiköpfigen Drachen“ im Zentralen Museum der Luftstreitkräfte der Russischen Föderation in Monino nahe Moskau. Hier hat die WWA-14 immerhin noch späte Berühmtheit erlangt. Sie ist ein bedeutender Teil der größten Sammlung sowjetischer Flugzeuge weltweit.

Copyright: Photo_Lana_Sator20

Bildquellen: Foto Von User Jno – Open Museum CC BY 2.5; Photo_Lana_Sator20; Fred Schaerli

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